The article follows Vanessa Schulte, a newly qualified nurse, highlighting the demanding yet rewarding nature of her profession, the systemic challenges within healthcare, and her personal commitment to advocating for better working conditions and professional recognition.
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Ich mag den Stress, ich mag das spontane Reagieren und die immer neuen Eindrücke, auch dieses ständige neue Lernen.
Ich mag diese Krankenhauswelt.
Vanessa Schulte ist 31 und seit einem halben Jahr ausgebildete Pflegefachkraft.
Vor vier Jahren hat sie ein Medienstudium abgebrochen, weil ihr klar wurde, was ihr eigentlicher Traumberuf ist.
Seit einem halben Jahr arbeitet Vanessa im Klinikum Braunschweig auf der Intermediate Care Station,
einer Abteilung zwischen Intensiv- und Normalstation.
Ihr erster Patient heute ist ein schwerkranker Mann über 80, der keine lebenserhaltenden Maßnahmen mehr möchte.
Hallo, guten Morgen.
Also ich spüre nichts mehr.
Der Patient ist im Schlaf gestorben.
Okay, ich mach mal die Tür zu, ja?
Ja, es ist immer ein komischer Start in den Tag, also wenn man sich gleich...
Man lernt gerade einen Patienten kennen und dann verstirbt er direkt. Das ist schwer.
Keiner weiß, wann die Angehörigen eintreffen und wie schnell das Zimmer wieder gebraucht wird.
Vanessa und ihre Kollegin bringen den verstorbenen Patienten in einen Ruheraum, um das Zimmer neu vorzubereiten.
Der Betrieb geht ja hier auch einfach weiter, da kann man sich gar nicht die Zeit nehmen,
um da groß inne zu halten, Abschiede zu nehmen.
Ein Patient ist schon angekündigt von einer Intensivstation, da weiß ich aber noch nichts Genaueres, um was es da jetzt geht.
Vier Patientinnen oder Patienten betreut Vanessa pro Schicht. Das klingt wenig, ist aber viel.
De Kranken kommen kurz nach schweren Operationen oder von der Notaufnahme,
brauchen umfangreiche engmaschige Versorgung.
Okay, ja dann ziehe ich mich an und komme rein.
Dazu kommen noch die Corona-Fälle. Ihr heutiger Patient hat neben Corona noch eine Lungenentzündung und Blutvergiftung.
Jedes Mal muss sie Schutzkleidung anziehen und die dann wegen der Virenlast im Krankenzimmer entsorgen.
Dann nehme ich nämlich gleich noch ein bisschen Blut ab und ich würde sie gerne einmal inhalieren lassen.
Nach dem Examen hat sich Vanessa diese Station ausgesucht wegen der vielfältigen Aufgaben, aber auch wegen des Teams.
Ich bin total motiviert, ich glaube wie alle anderen auch, in die Ausbildung gestartet
und habe mich riesig auf den ersten Praxiseinsatz gefreut.
Und als es dann soweit war, war ich dann ziemlich schnell enttäuscht,
dass mir gefühlt jede Person von dem Beruf abgeraten hat, weil wir überhaupt kein Ansehen genießen,
die Arbeitsbedingungen unerträglich sind und auch die Stimmung einfach sehr negativ war
und das hat mich geärgert, weil das möchte ich so nicht, muss man aber aktiv gegen anarbeiten.
Hallo, ich habe einmal Kartoffeln und Quark für Sie. Ist das gut?
Ich habe Fisch bestellt.
Okay, dann nehme ich das hier nochmal mit, aber das kann dann einen Moment dauern.
Der Patient möchte essen, wir haben sein Essen nicht, also muss es geholt werden.
Die Station von der er hierher verlegt wurde und auf der er das Essen bestellt hat, ist am anderen Ende der Klinik.
Sicherlich hätte ich ihn überreden können, aber wer möchte schon, wenn er ist, irgendein Essen aufgedrückt bekommen?
Also ich auf jeden Fall nicht und deswegen, wenn es irgendwie machbar ist, versuche ich das zu organisieren
und sein bestelltes Essen zu holen.
Ich habe hier einmal Fisch für Sie.
Es war ein weiter weg zu zu Ihrem Fisch, das war fast so, als ob ich ihn selber gefangen hätte.
Wie fast immer hat Vanessa so viel zu tun, dass sie in ihrer Acht-Stunden-Schicht keine richtige Pause machen kann.
Die permanente Konzentration ist anstrengend, dass man nichts vergessen darf,
dass man all seinen Tätigkeiten eben auf jeden Fall nachgehen muss
und da kann man halt nicht vergessen, dass jemand nochmal Antibiotika um eine gewisse Uhrzeit kriegt
und das, ja, weil so viel Unvorhersehbares kommt, dass man halt keinen richtig strengen Ablauf hat,
sondern man hat hier nochmal was, da nochmal was.
Das setzt einen manchmal unter Druck.
Ich muss nur mal ganz kurz gucken, irgendwie misst die Blutdruckmanschette nicht und ich habe keinen Wert.
141 zu 100, also der sehr systolische Wert ist auf jeden Fall viel zu hoch
und deswegen bleibt die Manschette auf jeden Fall dran und auch die Kabel
und das lassen wir so lange bis wir vom Arzt eine andere Information haben. Danke.
Jetzt gegen Ende war bei mir einfach so ein bisschen die Luft raus, jetzt war ich froh die Übergabe machen zu können
und die Verantwortung an meine Kollegin weitergeben zu können.
Ja, tschüss.
Wie geht's denn jetzt weiter? Mit ausruhen?
Nein, ausruhen jetzt nicht. Ich werde jetzt meine Tochter vom Kindergarten abholen.
Ja, und dann geht's mit Care-Arbeit zu Hause weiter.
Heute ist Sonntag. Vanessa muss erst später anfangen.
Wie mehr als die Hälfte aller Pflegekräfte arbeitet sie in Teilzeit.
So bleibt trotz des Schichtdienstes Zeit für ihre Tochter Hanni und Marco, ihren Mann.
Also ich habe da volles Verständnis, dass man sich im Job eben auch wohlfühlen möchte und das tun möchte,
was man gern tut.
Wenn sie sich dann verabschiedet, ist es schon manchmal schade, also dann will man vielleicht noch ein Eis essen gehen
oder eine Runde Fahrrad fahren oder so. Das geht dann nicht, aber dann mache ich das mit Hanni allein.
Und das ist dann sowohl für Hanni also für mich auch okay.
Sonntagnachmittag in der Klinik.
Pflege ist das, was Vanessa schon als Kind fasziniert hat,
ausgerechnet seit eine Weisheitszahn-OP bei ihr schief gegangen ist
Ich bin mit elf bei einem eigentlich ganz harmlosen Eingriff vom OP-Tisch gefallen. Das war ein Versehen,
bin dann aber im Krankenhaus gelandet und ja, war ganz begeistert.
Ich war elf Jahre, das erste Mal in einem Krankenhaus und die ganzen Apparate, die da waren,
das Personal, was ganz routiniert an den Venen Zugänge, Schläuche gewechselt hat
und die waren alle so nett, haben mir geholfen, mich unterstützt, mich auch mal getröstet, war ich total begeistert.
Bitte nicht aus dem Bett aussteigen, okay?
Inzwischen hat Vanessa auch andere Seiten ihres Traumberufs kennengelernt,
zum Beispiel, wenn Patient*innen verwirrt sind, sich nicht mehr orientieren können und aggressiv werden.
Dass ein Patient schon mal versucht hat, dass man... also der nach einem geschlagen hat oder einen beleidigt hat,
das ist schon häufiger mal passiert, ja.
Brauchst du Hilfe?
Als Berufsanfängerin verdient sie in Teilzeit rund 2000 Euro Brutto plus Schichtzulagen.
Die Gehälter in der Pflege variieren je nach Bundesland, Klinik und Qualifikation.
In deutschen Krankenhäusern fehlen mehr als 50.000 Pflegekräfte.
Auch auf Vanessas Station gibt es immer wieder personelle Engpässe, zum Beispiel wenn Kolleg*innen ausfallen.
Einspringen tue ich nicht, das ist für mich ein System stützen, was schon längst kaputt ist.
Das ist einfach zu kurzfristig gedacht. Klar, rettet man an dem Tag vielleicht jemandem den Arsch auf gut Deutsch gesagt
und ja, die Kolleg*innen haben es dann nicht so schwer vielleicht an dem Tag, weil ich mit dabei bin,
aber langfristig gedacht ist das ja keine Lösung.
Zusammen mit ihrer Kollegin Josie Seiler hat Vanessa einen Instagram-Account gestartet.
Neben der Arbeit studiert sie Pflegewissenschaften, um neue Erkenntnisse in die Praxis zu integrieren.
Das Gelernte teilt Vanessa in Posts und Stories.
Ein wichtiges Thema für sie und Josie: Frau sein in der Pflege.
Sexistische Sprüche bekommen wir in der Pflege regelmäßig zu hören.
Schwester, Sie können sich gern zu mir ins Bett legen. Unter der Arbeitskleidung sind Sie sicherlich noch heißer.
Die Intimpflege übernehmen Sie dann bitte, Ihre Kollegin sieht nicht so gut aus.
Es sind diskriminierende Aussagen, aber wie dagegen wehren? Den Mund aufmachen ist die Lösung.
Wir sind Frauen und verdienen einen respektvollen Umgang.
Ihr Herzensthema: Die Ambivalenz zwischen einem so relevanten Beruf und den oft schlechten Arbeitsbedingungen.
Hatte ich so ein richtig, richtig katastrophalen Dienst. Ich hoffe, ich werde nicht enttäuscht, wenn ich sage:
Es kann nur besser werden. Seid ihr eher optimistisch oder pessimistisch nach solchen Diensten?
Es ist oft so, dass Menschen in der Pflege einfach fehlen, dadurch sind alle ein bisschen angespannter.
Der Nachwuchs fehlt, die Zeit, neuen Nachwuchs einzuarbeiten fehlt einfach. Das muss man auch ganz ehrlich so sagen
und es sind mehr die Strukturen, die verändert werden müssen. Der Job an sich ist ein ganz, ganz toller Job,
wenn man darauf Lust hat, also ich bin der Meinung, man kann ihn nur machen, wenn man darauf Lust hat,
Um für bessere Arbeitsbedingungen einzutreten, engagiert sich Vanessa im deutschen Bundesverband für Pflegeberufe.
Es ist absolut wichtig, dass wir Pflegekräfte als größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen
uns endlich zusammen tun, um in der Politik präsent zu sein.
Dieser Beruf ist so am Boden und alle sind so unzufrieden.
Das ist also für mich die einzige Möglichkeit, dass sich was verändert.
Deutscher Pflegetag in Berlin. Aufbruch oder Abgrund lautet das Motto.
Hier treffen sich Pflegekräfte aus ganz Deutschland.
Es ist total wichtig, dass es solche Events gibt, und dass wir uns präsent machen.
Die Pflege ist quasi gar nicht politisch organisiert. Das sind wirklich ganz, ganz wenige.
Bei den Ärzten und Ärztinnen sieht das ganz anders aus. Da gibt es ja eine Zwangsverkammerung quasi,
also da muss einfach jeder eintreten und wir bräuchten das auch, dass unsere Stimme wirklich politisch Gewicht bekommt.
Dieses stetige Weiterentwickeln, das mag ich total und das gibt mir glaube ich auch die Motivation,
immer wieder weiterzumachen und mich eben auch aktiv über meinen Job, über die Stunden im Krankenhaus
für den Beruf einzusetzen, um auch anderen zu zeigen, was das für ein wertvoller Beruf ist.
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